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Die Tänzerin



Inspiriert von Ochrasys 'Du tanzt'. Es wirkt ein wenig konfus, weil ich am Anfang noch nicht wusste, worauf ich hinaus will. Es schrieb sich wie von selbst, als ich 'Du tanzt' gelesen hatte.

Sie tanzt. Ihre Füße sind nackt. Die Musik ist aus. Im Takt einer Melodie, die ich nicht hören kann, stampft sie mit den nackten Füßen auf den Boden. Ihre Fußnägel sind pink lackiert. Sie wirft ihren Oberkörper nach vorne. Ihr hellbraunes Haar ist lang und wellig. In wilden Strähnen fällt es ihr ins Gesicht, klebt an ihrer geröteten Wange. Mit einer wilden Bewegung, der perfekten Symbiose aus Kraft und Eleganz, drückt sie den Rücken durch. Sie schleudert ihre Mähne nach hinten, wirft den Kopf in den Nacken. Die Haare liegen auf ihrer Brust, fallen sanft über ihre Kurven. Ihr Oberkörper biegt sich, vollführt Bewegungen, so leicht und schön, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Anmutig wirft sie die Arme in die Luft und dreht sich im Kreis. Immer wieder. Die Pirouetten sind nicht perfekt, zu schnell und zu unsauber. Aber sie dreht sich weiter. Ihre Augen sind geschlossen, sie hat sich ganz der Musik in ihrem Kopf hingegeben. Auf ihren Lippen liegt ein Lächeln, ein leichtes, schüchternes Lächeln. Sie geht ein wenig in die Knie, dreht sich weiter, wie eine Eiskunstläuferin. Als sie sich aufrichtet, wackelt sie mit den Hüften, lässt sie kreisen. Ihre Finger schnippen zu ihrer Melodie, manchmal schlägt sie mit den Handflächen leicht gegen ihren Oberschenkel. Sie ist verloren in ihren Bewegungen, wie gefangen in dem, was sie tut. Und sie tut es so wunderschön. Ihr Lied verklingt langsam. Ich kann es sehen. Ihre Hüften kreisen gemächlich aus, bis sie sie nur noch sanft hin und her wiegt. Mit zitternden Händen hebt sie die Arme über ihren Kopf. Dort verharren sie einige Sekunden regungslos. Dann lässt sie sie sinken, sie streicht über ihre Seiten, ihre Hüfte, dann lässt sie ihre Finger still auf ihren Oberschenkeln zum Ruhen kommen. Sie atmet tief ein, ihr Brustkorb hebt sich, füllt sich mit Luft, die sie kurz anhält und schließlich langsam wieder ausstößt. Erst dann öffnet sie die Augen. Sieht in die Gesichter vor ihr. Auch in meines. Sie sollte eigentlich für uns tanzen, für die Juroren. Um uns zu beeindrucken. Aber ich weiß, dass sie das nicht getan hat. Sie hat für sich getanzt. Wir stehen auf, wir alle, und wir klatschen. Ich höre es hundertmal in meinen Ohren wiederhallen. Sie nicht. Sie sieht nur, wie wir die Hände gegeneinander schlagen, aber sie hört nichts. Sie ist taub. Aber sie tanzt. Und wie sie tanzt.

Cally
15.11.11 20:55
 


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