Paperback Writers

5/120 - Trost suchen



Hat eigentlich weniger mit dem Thema zu tun, als vielmehr mit Freundschaft.

„…und…sie…konnte…nicht…verstehen…warum…“
Das Telefon fängt an zu Klingeln. Ignorieren. Weiterschreiben.
„…verstehen…warum…er…sie…“
Das Klingeln hört nicht auf. Zusammenreißen. Weiterschreiben.
„…er…sie…verlassen…hatte…Komma…da…sie…“
Es klingelt noch immer. Mist. So bekomme ich den Aufsatz nie fertig. Ergeben nehme ich den Hörer ab.
„Janina Winter, hallo?“, melde ich mich. Klingt nicht sonderlich begeistert. Egal.
„Nina?“, die Stimme ist ganz leise. Flüsternd.
„Ja?“, frage ich unsicher.
„I…ich bins, Wi…Wi…Wilma.“, stammelt sie. Und bricht in Tränen aus.
„Wilma? Was ist los?“, meine Stimme zittert jetzt auch. Vor Angst.
„Ko…kommst du vorbei?“, heult sie. Ich schlucke.
„Ja, klar. Ich bin schon unterwegs.“, damit lege ich auf. Besorgt sehe ich das Telefon an. Wilma….
Ich suche meine Jacke. Finde sie nicht. Kurz vorm Ausrasten. Was solls. Im T-Shirt steige ich aufs Fahrrad. Wilma wohnt nicht weit weg. Mir ist eiskalt.
Zitternd komme ich bei Wilma an. Ich habe immer noch ein bisschen Angst vor dem Riesenhaus. Obwohl Wilma und ich uns schon lange kennen. Zehn Jahre. Verdammt lange.
Klingel drücken. Kalt. Ich klappere mit den Zähnen. Wilma macht auf. Sie hat rot verheulte Augen.
„Komm rein…“, nuschelt sie. Mache ich auch. Drinnen ist es warm. Ich atme auf.
„Wo ist deine Jacke?“, fragt Wilma. Ich schüttele den Kopf.
„Ist doch egal. Hab mich beeilt. Was ist los?“ Wir gehen in ihr Zimmer. Auf ihrem Bett liegt Schokolade. Viel Schokolade. Oh nein. Sie isst selten Schokolade. Nur, wenn sie echt traurig ist.
„Was ist passiert?“
Wilma fängt wieder an zu weinen. Ich nehme sie in den Arm. Streichle durch ihr Haar. Sie liebt das. Weint trotzdem.
„Er hat…Robin hat…“, sie stockt. Weint wieder. Sagt dann: „Er hat mich abserviert.“
Robin war ihr Freund. Sie dachte an was Ernstes. Das ging schon seit fast einem Jahr. Ich mochte ihn auch. Er war immer nett zu ihr. Und freundlich zu mir. Egal.
„Wichser!“, sage ich. Wilma lacht. Endlich.
„Deshalb hab ich dich angerufen.“, sagte sie. Heult nicht mehr so sehr. Ich lache auch.
„Für dich immer.“

Cally
31.8.10 17:25
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Umbrella (31.8.10 17:32)
Wow! Es ist niemand gestorben! OH MEIN GOTT!

Nein, nein, schon gut. (;
Ich mag's. Kein großes Bimborium, und wer kennt sowas schon nicht?


Ochrasy (1.9.10 00:20)
Mir gefällt der knappe Erzählstil - sehr "gedankennah".


Ochrasy (1.9.10 21:53)
Übrigens finde ich, dass der Text sehr gut zum Thema passt!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


Gratis bloggen bei
myblog.de

Startseite Gästebuch Archiv Abonnieren
"Schreiben ist das Dampfventil der Seele."
(Hermann Lahm)

Was ist PBW? Die Schreiber
"Es gibt Leute, die nachdenken, um zu schreiben. Wieder andere schreiben, um nicht nachdenken zu müssen."
(Charles Joseph Fürst von Ligne)


nach Genre


Scraps/Ideen Kurzgeschichten Projekte Lyrik

nach Autor


Cally Ochrasy Umbrella