Paperback Writers

8/120 - Unschuld



Es handelt sich hierbei nur um Fiktion. Folglich sind jegliche Rückschlüsse auf den Autor unzutreffend. Außerdem versuche ich nicht zu rechtfertigen, sondern nur, mich hineinzuversetzen. Der Inhalt dieser Geschichte ist für Kinder unter sechzehn Jahren ungeeignet. Ich bitte dies alles zu beachten. Dankeschön.


Langsam biege ich von der hell erleuchteten Hauptstraße in die schmale Seitengasse ein. Sie stehen schon an der Ecke, für jeden sichtbar. Jeder weiß, was sie hier tun, aber niemand interessiert sich dafür. Die Polizei kommt seit Langem nicht mehr hinterher, es sind viel zu viele. Das Lenkrad ist schweißnass, ich zittere am ganzen Körper. Will ich das wirklich? Natürlich will ich das, ich muss es sogar, doch ein Teil von mir weiß, wie entsetzlich falsch es ist. Beruhig dich, wende die Technik an. Schieb' den Gedanken weg, so wie du es tust, wenn sie im Sommer verschwitzt von der Schule zurückkommen, in ihren knappen Hosen, den Tops, die ihre zarten Arme entblößen und du gierig an der Scheibe klebst. Wie es dich erregt, wenn sie dir zufällig in die Augen sehen und von deinen Gedanken nichts ahnen. Ich kann nicht länger dagegen ankämpfen.
Und dann sehe ich sie.
Sie ist vollkommen.
Ein Engel.
Ich will sie.
Nur sie.
Ich bringe den Wagen zum Stehen und öffne die Beifahrertür. Die Laterne wirft einen perfekten Lichtkegel auf sie, der ihre makellose Haut strahlen lässt. Ein letzter Zug an der Zigarette und meine Sinne sind vernebelt. Ich stelle mir ihren Mund in einer anderen Situation vor. Mit etwas Dickerem zwischen den schmalen Lippen als einer Zigarette. Sie zögert kurz. Ich mache das Licht im Auto an, damit sie mich sehen kann. Jetzt nichts falsch machen. Möglichst harmlos lächeln, wie am Wohnzimmerfenster. Eigentlich zwecklos, wo sie doch genau weiß, was ich hier mache.
Ich kann aber noch umdrehen.
Kann die Tür zuschlagen.
Gehetzt nach Hause rasen.
Mich für meine Dummheit tadeln.
Mich loben dafür, dass ich der Versuchung noch einmal entkommen bin.
Mich leise in das Zimmer meiner Tochter schleichen und ihr einen Gute-Nacht-Kuss geben. Mich danach zu Gracia aufs Sofa setzen, die Spätnachrichten zu Ende schauen und nie wieder einen Gedanken an diese Nacht verschwenden.
Nein - es gibt kein Zurück.
Ehe ich mich versehe, sitzt sie neben mir. Verhalten wirft sie mir ein Lächeln zu und dreht sich dann wieder weg. Sie schließt die Beifahrertür und ich starte den Wagen. Ihre mirabellengroßen Brüste stechen sich durch das hellblaue Shirt und meine sexuelle Erregung wächst ins Unermessliche. Es fühlt sich an, als würde sie meinen Hosenladen sprengen. Ich will nicht, dass sie sieht, wie geil ich schon bin, sie soll keine Angst vor mir haben.
Sie hat kurzes, schwarzes Haar, ihre Haut ist leicht gebräunt und die Lippen hat sie sich blutrot angemalt. Sie ist zwölf, höchstens dreizehn. Zitternd zupft sie sich an ihrem Shirt und ich merke, dass sie genauso aufgeregt ist wie ich. Sie verschränkt die Arme, damit sie die Hände stillhalten kann und ich von ihrer Nervosität nichts mitbekomme. Ich ziehe mein Hemd heraus und versuche es möglichst luftig über die Hose zu legen, damit sie meinen Ständer nicht sieht.
Wir wollen beide der Coolere sein.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass sie so etwas macht und sie ist deswegen so aufgeregt. Ich möchte ihr nur ungern ihre Unschuld rauben, doch auf eine gewisse Art und Weise tut sie das auch bei mir. Ich hasse sie dafür. Ich hasse sie dafür, dass sie so schön ist.
„Sechzig Reais für alles“, presst sie heraus und als ich ihr kurz in die Augen blicke, fällt mir auf, dass sie meiner Tochter ein wenig ähnlich sieht.
„Ist in Ordnung.“
Wahrscheinlich wurde sie von ihren Eltern hergeschickt. Die Finanzkrise hat Brasilien ziemlich stark getroffen und manche Familien würden alles tun, um der drohenden Obdachlosigkeit zu entfliehen.
Ich könnte das meiner Tochter nie antun.
Abseits des Rio Tietê biege ich auf einen Parkplatz. Über dem Eingang des Motels flackern die Lettern 'São Paulo Inn'. Sie geht vor und ich beobachte, wie sie auf den hochhackigen Schuhen fast unmerklich ihren kleinen Arsch kreisen lässt. Welch erhabenes Geschöpf. Irgendwo zwischen kindlicher Unschuld und erwachsener Verführungskunst. Sie kennt ihre Reize genau, da bin ich mir ganz sicher. Als ich das Motel betrete und sie an der Rezeption warten sehe, ist alles wie weggeblasen. Die Angst, die Gewissensbisse, die Beklommenheit.
Alles was bleibt, ist Geilheit.
Was kann ich auch dafür?
Ich bin auch nur ein Mann.
Ich hab mir das nicht ausgesucht.
Das bin nicht ich.
Das sind nur meine Triebe.
Ich brauche sie.
Ich will sie.
Alles Andere zählt nicht.

Ochrasy
22.8.10 23:39
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Umbrella (23.8.10 00:08)
Wow, heftig. Aber - Tja, es passt wohl ziemlich perfekt zum Titel. Und ich finde es mutig, dass du es geschrieben hast.
Wie er gleichzeitig über seine Tochter nachdenkt, ist schockierend.
Zum Stil muss ich wohl nichts sagen. Wirklich, wirklich gut.


Cally (23.8.10 20:13)
Oh Gott. Meine Hände zittern. Das ist...wahnsinn. Ich muss Verena zustimmen, schockierend.
Besonders wo er sagt: '...als ich ihr kurz in die Augen blicke, fällt mir auf, dass sie meiner Tochter ein wenig ähnlich sieht.'
Da wurde mir echt schlecht. Das ist...erst dachte ich, er geht zu einer normalen Prostituierten um SEINE Unschuld zu verlieren. So ist das...der Titel passt immer noch wie die Faust aufs Auge. Es ist wirklich Wahnsinn.


Cally (26.8.10 19:26)
Mir ist mal aufgefallen, dass ich den letzten Satz genial finde. Der ist so...irgendwie wir der letzte Schnitt eines Films, bevor der Abspann kommt.

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