Paperback Writers

Meine Obsession



Ein 'Valentinsgeschenk' für meine beiden Lieblingsautoren!

Chloé wird gemächlich ins Zimmer kommen.
Sie wird mit der linken Hand ihren Pony nach hinten schieben. Dann am Hinterkopf heruntergleiten und den Zeigefinger in das Haargummi einhaken. Anschließend zieht sie die Hand weiter nach unten. Das Haarband wird sie achtlos auf den weißlackierten Schminktisch werfen. Er war mal rosa, aber sie konnte die Farbe nicht mehr ertragen. Nachdem ihr Haar offen ist, wird sie es mit beiden Händen grob durchkämmen und rechts über ihre Schulter legen. Während sie dann gedankenverloren (Sie hat bestimmt wieder nur ihren Lieblingssänger und sein neues Lied im Kopf) ins Badezimmer geht, wird sie die Haare mit monotonen Bewegungen glatt streichen. Im Badezimmer wird sie die Haare nach hinten werfen, mit der linken Hand nach der Zahnbürste greifen und mit der rechten Zahnpasta aus einer weißen, länglichen Tube darauf verteilen. Zuerst putzt sie die Kauflächen, dann die Außen- und Innenfläche. Dabei wird sie zurück in ihr Zimmer gehen und mit der rechten Hand ihre Strickjacke aufknöpfen. Besondere Probleme wird sie mit dem dritten haben, der immer klemmt. Immer. Sie hat die Jacke mal bei H&M gekauft, sie war heruntergesetzt. Leider war sie auch ein blödes Billigteil. Sie wird zurück ins Badezimmer gehen.
Nachdem sie die Jacke endlich aufgeknöpft bekommen hat, wird sie sie in einen Korb neben der Dusche werfen und im grasgrünen T-Shirt wieder in ihr Zimmer gehen. Dort wird ihr einfallen, dass sie den Zahnpastaschaum ausspucken wollte, weshalb sie zurück gehen, eben jenes tun und dann langsam ins Zimmer schlendern wird.
Hier wird sie dann das T-Shirt ausziehen und auf ihr Bett legen. Ihr heutiger BH wird der weiße sein, mit roten Rosen bedruckt und voller Schleifchen, von New Yorker. Im Spiegel neben der Tür wird sie missmutig ihre Oberweite betrachten (Sie findet sie zu klein) und dann den BH aufhaken. Während sie ihn von den Schultern gleiten lassen wird, werden ihre Gedanken zu dem heutigen Fernsehprogramm schweifen, sie wird sagen, was sie heute gucken will, wahrscheinlich diesen Mädchenfilm, Stolz und Vorurteil, auf Kabel eins.
Oberkörperfrei wird sie Richtung IKEA - Schrank gehen und dabei ihre Jeans aufknöpfen und den Reißverschluss öffnen. Vor dem Schrank wird sie das alte Bild von ihr und ihrer Cousine betrachten und sich selbst daran erinnern, dass sie es durch ein neueres ersetzen sollte.
Dann wird sie den Schrank öffnen, und den Inhalt betrachten, unterdessen wird sie ihre Hose ausziehen und auf den Stuhl neben den Schrank werfen. Noch beim Sockenausziehen wird sie unschlüssig die Schlafshirts durchsehen, auf der Suche nach einem ganz bestimmten. Die Socken werden auf der Hose landen und sie wird sagen: ‚Wo ist bloß das Blassblaue?‘. Das sucht sie dauernd. Es ist zwischen dem roten und dem weißen mit pinken Herzen.
Erst wenn sie kurz davor ist, dass lilafarbene anzuziehen, dass mit den schwarzen Sternen, wird sie das Blassblaue finden und triumphierend lächeln. Sie wird es aufs Bett legen und dann den rechten Daumen in ihren Slip haken. Der Slip wird wahrscheinlich zu dem BH passen, aber nicht aus dem Set sein. Höchstwahrscheinlich der rote mit weißer Schleife. Den hat sie von ihrer Tante geschenkt bekommen.
Dann wird sie einen weiteren aus dem Schubfach nehmen, bestimmt einen weißen, die nimmt sie immer zum schlafen, und anschließend in das Schlafshirt schlüpfen.
Nachdem sie die warmen, von ihrer Mutter selbstgestrickten Socken aus dem Bett gekramt hat, wird sie sie anziehen und ins untere Geschoss laufen. Ich werde sie dann nicht mehr sehen, aber ich weiß, dass sie erst in der Küche ein Glas Milch holt, und dann ins Wohnzimmer geht und den Fernseher anschaltet.
Da kommt Chloé…sie schlendert…


****


Ich schlendere in mein Zimmer.
Mit der linken Hand schiebe ich meinen Pony nach hinten, lasse die Hand am Hinterkopf heruntergleiten und hake den Zeigefinger ins Haargummi. Dann ziehe ich die Hand weiter nach unten und werfe das Haarband achtlos auf den Schminktisch. Vor einem Jahr hat mein Vater ihn weiß lackiert, weil ich das rosa nicht mehr sehen konnte.
Ich kämme die Haare mit beiden Händen grob durch und lege es rechts über die Schulter. Während ich, in Gedanken bei Jamie Cullum, meinem Lieblingssänger, und seinem neuen Lied ‚I’m all over it now‘, ins Badezimmer gehe, streiche ich meine Haare glatt.
Im Badezimmer werfe ich die Haare nach hinten, greife mit der linken Hand nach der Zahnbürste und mit der rechten nach der weißen Zahnpastatube. Ich gebe etwas von der Paste auf die Zahnbürste und beginne, streng nach dem KAI – Prinzip, erst die Kau-, dann die Außen- und Innenflächen zu putzen.
Ich gehe zurück in mein Zimmer und knöpfe dabei meine Strickjacke auf. Der verflixte dritte Knopf klemmt andauernd! Irgendwann habe ich dieses blöde Billigteil mal bei H&M gekauft, weil es runter gesetzt war. Grummelnd gehe ich zurück ins Badezimmer, wo ich den Knopf irgendwann aufbekomme.
Als die Jacke ganz offen ist, werfe ich sie in den Wäschekorb neben der Dusche. Zum Glück ist die Heizung aufgedreht, sonst würde ich in meinem T-Shirt (grasgrün – meine Lieblingsfarbe) sicher frieren. Zurück in meinem Zimmer fällt mir ein, dass ich den Zahnpastaschaum ausspucken wollte. Also gehe ich wieder zurück ins Bad und, nachdem ich mir den Mund ausgespült habe, in mein Zimmer.
Mein T-Shirt werfe ich aufs Bett. In meinem Lieblings BH, dem weißen, voller roter Rosen und Schleifen (New Yorker, nur 9.99.), betrachte ich mich im Spiegel neben der Tür. Ich habe eine vermaledeite Hühnerbrust. Da ist wirklich nichts.
Seufzend hake ich den BH auf und lasse ihn von den Schultern gleiten. Was gucke ich denn heute? Läuft nicht…auf Kabel eins? Doch ja, auf Kabel eins läuft mein Lieblingsfilm.
„Stolz und Vorurteil!“
Auf dem Weg zum Schrank knöpfe ich die Jeans auf und öffne den Reißverschluss. An der Tür des IKEA – Möbels hängt ein sehr altes Bild von mir und meiner Cousine.
„Das sollte ich langsam mal ersetzen…ich hab doch so viele Fotos…“
Ich werfe die Hose auf den Stuhl neben der Tür und öffne den Schrank. Mein Blick gleitet über die Schlafshirts während ich meine Socken ausziehe. Ich suche ein ganz bestimmtes. Die Socken landen auf der Hose.
„Wo ist bloß das Blassblaue?“ Das suche ich andauernd!
Ich bin schon kurz davor das lilafarbene mit den Sternen anzuziehen, als ich das Blassblaue zwischen dem roten und dem weißen (Mit pinken Herzen!) finde.
„Ha!“
Ein triumphierendes Lächeln spielt um meine Mundwinkel, während ich das Shirt aufs Bett lege und den rechten Daumen in den Slip einhake. Er ist rot, mit weißer Schleife. Meine Tante hat ihn mir mal geschenkt. Ich mag es, wenn der Slip zum BH passt, aber eigentlich nicht dazu gehört.
Der Slip fällt zu Boden und ich nehme mit einen neuen, weißen, zum Schlafen sehr bequemen, aus dem Schubfach. Dann ziehe ich das Schlafshirt über den Kopf.
Aus dem Bett krame ich die warmen Socken, die meine Mutter gestrickt hat und ziehe sie an.
Ich laufe die Treppe runter, aber bevor ich im Wohnzimmer den Fernseher anschalte, hole ich mir in der Küche ein Glas Milch.


****


Wäre sie in der Küche geblieben, dem Raum, mit Blick zur angrenzenden Straße, hätte sie den Schatten eines Mannes gesehen, meinen Schatten, der von dem Baum vor ihrem großen Panoramafenster klettert und im Dunkeln verschwindet. So, wie jeden Abend.


Cally
14.2.10 16:04
 


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