Paperback Writers

Die Bibliothek - Prolog



Der Prolog eines größeren Projekts von mir. Im Moment stecke ich irgendwo im ersten Kapitel fest.
Nichtmal die Planung ist vollständig fertig, deshalb hab ich's mal unter "Scraps" eingeordnet.
Ihr beide kennt das wahrscheinlich schon. Aber was soll's.



Angenommen, jemand würde dir erzählen, dein ganzes Leben stände in einem Buch geschrieben. Würdest du ihm glauben? Nein, wahrscheinlich nicht.
Und höchstwahrscheinlich würdest du ihm erst recht nicht glauben, wenn er dir erklärte, dass dein Leben von der Geburt bis zum Tod exakt nach diesem Buch verläuft. Das fändest du wohl lächerlich und ziemlich eigenartig. Das wäre dann ja so etwas wie Schicksal. Und daran glaubst du bestimmt sowieso nicht. Du kannst dein Leben selbst bestimmen, schon klar.
Doch nur mal angenommen, rein theoretisch natürlich, er würde die Wahrheit sagen. Was natürlich mehr als unglaubwürdig erscheint. Dann ständest du ziemlich verwirrt da. Natürlich, du würdest dich weigern, etwas Derartiges zu glauben, doch irgendwann müsstest du es einsehen. Spätestens, wenn du es mit eigenen Augen siehst.
Angenommen, dein Buch wird aufbewahrt in einer Bibliothek, die so groß ist wie fünf Fußballfelder nebeneinander und so hoch wie drei Empire State Buildings übereinander. Das kannst du dir nicht vorstellen? Macht nichts, niemand könnte sich das vorstellen. Denn diese Bibliothek hat noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen.
In so einer großen Bibliothek kann selbstverständlich nicht nur dieses eine Buch stehen. Dort stehen so viele Bücher, dass jede Wand, jeder Gang, jedes Regal prall gefüllt ist. Das alles ist natürlich reine Spekulation. Bloß Hirngespinste einer verwirrten Seele. Doch was ist schon Wahrheit und was Illusion? Wann kann man sich noch sicher sein? Unbeantwortete Fragen sind die reizvollsten.
Also stell dir vor, jedes Buch, das dort in dieser Bibliothek steht, ist das Leben eines Menschen. Seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft in einem Buch. Meinetwegen darfst du es dir als eine Art Drehbuch eines Menschenlebens vorstellen. Obwohl es das nicht im Geringsten beschreibt.
Und stell dir weiter vor, diese Bibliothek ist gar nicht so weit von dir entfernt, vielleicht ganz in deiner Nähe. Gar nicht so schwer zu finden. Doch niemand findet sie, da niemand sucht. Wie soll man auch nach etwas suchen, von dem man nicht weiß, dass es existiert? Und vielleicht möchte sie auch niemand suchen. Es ist viel einfacher, unwissend zu sein, das hat sich schon oft bewiesen.
Und wahrscheinlich sollten wir das auch lieber bleiben – Unwissend. Denn Wissen kann dir zum Verhängnis werden, glaub mir.
Doch was rede ich da schon wieder? Meine Fantasie geht mit mir durch, entschuldige. Ich sollte nicht so viel Zeit vor einem leeren Blatt Papier verbringen. Wie auch immer, vergiss das alles schnell wieder und bleib, was du bist – Unwissend.


Umbrella
16.1.10 21:31
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Cally (16.1.10 21:56)
Ohh, du hast es hoch gestellt. Ich finde das sehr süß. Irgendwie...weiß ich, dass es poetisch wird.


Lennart (16.1.10 22:50)
Das ist eine prima Idee!
Ich bin ein bisschen neidisch, dass ich nicht darauf gekommen bin. Gelungen.
Macht gespannt aufs erste Kapitel!

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