Paperback Writers

Home Is Where The Heart Is (Scrap)



Ein Anfang, den ich vor ein paar Tagen geschrieben habe. Worum genau es gehen soll, weiß ich nicht.
Ich habe an mehrere Kapitel gedacht, insgesamt aber keine allzu lange Geschichte.
Natürlich hab ich schon eine grobe Idee, aber ich bin für alles offen und würd mich über Vorschläge/Meinungen freuen! (:



„Klaas! Da bist du ja!“
Der große, stämmige Mann, der gerade noch gemütlich auf einem Schaukelstuhl auf der Veranda gesessen hat, kommt auf mich zu und schließt mich in eine grobe Umarmung. Er scheint nicht einen Augenblick gezögert zu haben, wie er mich am besten begrüßt. Und er scheint auch nicht darüber nachzudenken, dass ich vielleicht nicht mit einer Umarmung begrüßt werden möchte.
Er lässt mich los und ich schaue ihn misstrauisch an. Noch nie war mir dieser Mann so fremd. Er trägt eine geschmacklose grüne Strickmütze mit weißem Schneeflocken-Muster. An den Ohren schauen stumpfe, graue Haare heraus und ungepflegte Bartstoppeln bedecken sein Kinn.
„Willkommen in Groß Heederfeld, deinem neuen Zuhause!“
Ich muss mich zusammenreißen, mich nicht augenblicklich auf dem Absatz umzudrehen und davonzulaufen. Hätte er sich keinen anderen Willkommensgruß ausdenken können? Damit spricht er all das aus, was ich seit Monaten angestrengt versuche zu verdrängen.
Er erwartet wohl so etwas wie ein „Danke“ oder wenigstens ein Lächeln, aber mir ist gerade nicht nach Emotionen. Ich will die ganze Prozedur schnell hinter mich bringen und mich dann noch vor dem Abendessen in der Badewanne ertränken. Der Plan ist perfekt.
Doch er bemerkt gar nicht, dass ich seinen Enthusiasmus nicht teile, klopft mir aufmunternd auf die Schulter und geht dann um das Taxi herum, mit dem ich gekommen bin. Ächzend hievt er meine Taschen aus dem Kofferraum, alle drei auf einer Schulter. Innerlich muss ich grinsen. Die müssen so schwer sein wie fünf Elefanten. Viel Spaß beim Tragen!

Der Taxifahrer ist schon bezahlt, deshalb schlage ich den Kofferraum zu und lasse ihn sein Auto aus der engen Einfahrt manövrieren. Wehleidig schaue ich hinterher, als er wegfährt. Ich würde mich am liebsten an die Stoßstange ketten und mich bis zurück nach Berlin schleifen lassen. Denn da gehöre ich hin. Und nicht hierhin.
Das Taxi ist hinter einer Kurve verschwunden. Ich drehe mich um und streiche mir die schon wieder viel zu langen Haare aus dem Gesicht. Und zum ersten Mal seit meiner Ankunft betrachte ich das Haus im Lavendelweg 14, das Haus, in dem ich ab jetzt festsitze.
Es ist kein besonders hübsches Haus, soweit ich das unter dem ganzen Schnee erkennen kann. Efeu und anderes Gestrüpp umrankt die Fassaden, der Vorgarten ist so verschneit, dass ich mir kein Bild machen kann, die Veranda ist klein, aber mit einem Heizstrahler ausgestattet. Insgesamt wirkt das Haus, als würde es dem Druck des Schnees nachgeben wollen. Es ist eher ein Häusschen. Obwohl die anderen Häuser in beachtlicher Entfernung stehen, sieht es aus, als würde es von beiden Seiten in die Mangel genommen werden.

Da erscheint ein Kopf im Rahmen der Haustür. „Komm rein, Klaas, sonst erkältest du dich!“
Wo hat er denn den Spruch her? Entweder er hat ihn sich von Ma abgeguckt oder aus einem Elternratgeber. Das würde ich ihm zutrauen.
Widerwillig stapfe ich den schmalen Pfad entlang bis zur Veranda.
„Keine falsche Scheu!“, setzt er hinterher, als ich nicht sofort in den Flur eintrete.
Pah. Der hat doch keine Ahnung.
Missmutig trete ich ein und ziehe die Tür hinter mir zu. Die nassen Schuhe lasse ich einfach an. Soll mir doch Wurst sein, wie seine Bude aussieht.
Hier drinnen ist es gemütlich warm. Trotzdem lasse ich meinen Mantel an, als ich ihm in die kleine Küche folge. Ich will ihm ganz klar zeigen: Das ist nicht mein Zuhause und wird es niemals sein. Ich bin nur ein flüchtiger Gast hier. Bei dem Gedanken hebt sich meine Stimmung wieder ein bisschen. Aber auch nur ein klitzekleines bisschen.
Ich bin siebzehn. Das schlimmste Alter. Nichts Ganzes und nichts Halbes. Irgendwo, gefangen zwischen Teenager und Erwachsenem. Wenn ich nächstes Jahr achtzehn werde, bin ich schneller weg, als er „Alles Gute!“ sagen kann. Dann hält mich hier nichts mehr. Und so lange muss ich einfach nur am Leben bleiben und meine Zeit absitzen.

„Tee? Kakao?“
„Kaffee“, antworte ich, ohne nachzudenken. Ich kann Kaffee nicht ausstehen. Doch ich beschließe, ab diesem Moment offiziell zum Kaffee-Trinker zu werden. Wenn schon keine illegalen Drogen als Mittel zur Rebellion zur Wahl stehen, muss ich eben auf die legalen Drogen zurückgreifen. Coffee and cigarettes. Hallo, neues, ungesundes Leben!
Er scheint erstaunt zu sein, doch schaltet ohne Widerworte die Kaffeemaschine an.
„Ich habe dein Zeug in dein Zimmer gebracht“, sagt er, während er die grüne Mütze absetzt. Mit all dem zerwuschelten, grauen Haar sieht er sogar noch älter aus.
Ich nicke nur, um mich nicht bedanken zu müssen. Mein Zimmer… Mit welcher Selbstverständlichkeit er das sagt. Hier wird es niemals mein Zimmer geben. Bloß ein weiteres Zimmer dieses Hauses. Nichts hier werde ich jemals als mein Eigentum betrachten. Das würde ja heißen, dass es mir etwas bedeutet. Und das tut es garantiert nicht.
Ich ziehe einen der Stühle zurück und setze mich an den Tisch. Er scheint zu sehr mit der Kaffeemaschine beschäftigt zu sein, um Smalltalk zu halten. Ist mir nur recht. Schweigend sehe ich mich in der Küche um.
Sie ist genau, wie man es von einem Junggesellen im Holzfällerhemd erwartet. Klein, eng, praktisch eingerichtet. Bloß kein Schnickschnack. Ich komme mir furchtbar fehl am Platz vor. Unsere Küche in Berlin ist groß, hell und vollgestopft mit all dem Zeug, das man hier nie finden wird.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als er die Tasse Kaffee vor mir abstellt. Ich nehme sie und trinke einen SchlucK. Bah, das ist wirklich ekelhaft. Doch die Wärme tut gut.
„Wie war die Fahrt hierher?“
„Lang“, antworte ich.
„War viel Stau auf den Straßen?“
„Schon.“
„Wann bist du denn heute morgen losgefahren?“
„Sieben.“
„Dann bist du bestimmt müde?!“
„Ein bisschen.“
Ist er wirklich so blöd oder versteht er wirklich nicht, dass mir nicht nach Reden ist? Dass mir nicht nach ihm ist? Und nicht nach diesem scheiß Kaff?
„Dann zeige ich dir mal dein Zimmer, damit du dich ein bisschen ausruhen kannst.“ Dieses herzliche Lächeln in seinem Gesicht ist genau das Gegenteil von dem, was ich fühle. Er steht auf und bedeutet mir, ihm zu folgen.
Er führt mich eine Treppe hinauf, die so eng ist, dass seine breiten Schultern die Wände berühren, in einen nicht weniger engen Flur. Hier im Obergeschoss gibt es drei Türen. Das Bad und sein Zimmer auf der einen, mein Zimmer auf der anderen Seite, wie er mir erklärt.
Zugegeben, ich bin ein bisschen neugierig, deshalb öffne ich die Tür zu meinem Zimmer.
Und fühle mich sofort mindestens vierzig Jahre zurückversetzt. Erschrocken trete ich ein und schaue mich um. Dieses Zimmer ist … ein Erdloch. Ein 70er-Jahre-Erdloch. Wände in matschigem Braunton, dunkler Holzboden, alte, bunt zusammengestellte Möbel, dunkelgrüne Gardinen. Ein Alptraum!
„Gefällt’s dir?“
Ob es mir gefällt? Hallo? Hat er sich dieses Zimmer auch nur ein einziges Mal angesehen? Die Bezeichnung Zimmer hat es eigentlich gar nicht verdient. Sowas wie das hier sollte verboten werden.
„Naja, sieh dich erstmal in Ruhe um. Ich sage dir Bescheid, wenn es Abendessen gibt, ja?“
„Okay“, erwidere ich mit belegter Stimme, dann schließt er die Tür hinter sich.

Umbrella
24.11.09 19:01
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Cally (22.12.09 19:20)
Sag mal...wie wärs denn, wenn das sein onkel ist und seine mutter hat geheiratet und 'wollte ihn nicht mehr'?


Umbrella / Website (11.1.10 21:51)
Er ist eher der Vater... Aber das mit dem Abschieben ist eigentlich 'ne schlüssige Idee. Ich schau mal.

<3

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