Paperback Writers

3/120 - Sonnenuntergang



Streift das Thema nur am Rande und ist ziemlich kitschig, aber ich mag's. Angelehnt an den Song "Don't know why" von Norah Jones.

Lieber Jude,

Ich habe gewartet, bis sich die Morgensonne durch die Gardinen gekämpft hatte. Verharrte in gelähmter Ruhelosigkeit. Ich weiß nicht, warum ich nicht gekommen bin. Du hast an der Herberge auf mich gewartet. Wir hatten uns verabredet. „Um Mitternacht am blauen Tor“, hast du gesagt und ich nickte. Doch ich weiß wirklich nicht, warum ich nicht gekommen bin.

Anstatt in Deinen Armen zu liegen, knie ich im Sand, fange meine Tränen mit den Händen auf, und schaue zu wie das Rote sich mit dem Blauen vereinigt. Meine Augen sind schwer vom Wein und mein Herz ist schwer von Dir. Ich weiß nicht, warum ich nicht gekommen bin. Vielleicht hatte ich Angst vor der Liebe, womöglich vor der Enttäuschung. Ich habe Dir ein Versprechen gegeben. Doch ich weiß wirklich nicht, warum ich nicht gekommen bin.

Ich bin zurückgekehrt, um Dich zu suchen. Aber ich werde die Straße wohl allein zurück fahren müssen, mein Gesicht tränen-rot. Ich weiß nicht, warum ich nicht gekommen bin. Ich würde den endlosen Ozean überqueren oder sterben in Ekstase. Du warst der einzig Richtige. Doch ich weiß wirklich nicht, warum ich nicht gekommen bin.

- Ich hoffe, du liest das.
Deine Dich ewig liebende Norah.

Ochrasy
26.8.10 07:23


18/120 - Süßigkeiten



Eigentlich wollte ich das noch nicht on stellen, weil ich finde, dass es keine Handlung hat. Aber egal. Ihr beide seid übrigens herzlich eingeladen, das zu betan. Danke. Ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass ich total selten wörtliche Rede benutze?

Für eine Neunzehnjährige hatte Jill Jenkins schon immer zu jung ausgesehen. Ihr naturblondes Haar trug sie stets zu zwei langen, seitlichen Zöpfen gebunden, die das herzförmige Gesicht umrahmten. Nahezu unwirklich groß waren ihre Augen, die vom Lipgloss schimmernden Lippen voll. Man sah sie nie ohne einen pinken Lolli. Wegen dieses Lollis nannte man sie Candy. In aller Öffentlichkeit, im Supermarkt oder im Park, belächelte man sie und beglückwünschte ihren Erfolg bei Männern, doch zuhause, hinter vorgehaltener Hand, nannte man sie Flittchen. Es verging keine Woche, in der sich Candy nicht mit mindestens zwei Jungen zeigte, die niemand vorher schon einmal gesehen hatte. Und jeder dieser Jungen besuchte sie in ihrem kleinen Häuschen, das war ein offenes Geheimnis in der Nachbarschaft. Trotzdem grüßte jeder Candy, wenn sie, wie jeden Morgen um Punkt neun, zum Joggen ging. Nur an diesem Montag war sie nicht erschienen. Ihre Leiche lag neben den Müllcontainern an der Ecke. Candys tote, blassblaue Augen würde niemand vergessen können. Sie trug ihren türkisen Jogginganzug, mit Namensstickerei auf dem Rücken. Die Waffe, mit der man ihr zweimal in den Kopf geschossen hatte, lag neben ihr in der Blutlache. In der rechten Hand hielt sie noch immer den unvermeidlichen pinken Lolli, ihre Zöpfe zierten zwei flauschige, bunte Haargummis. Sie sah beinahe aus wie ein Kind. Ja, für eine Neunzehnjährige hatte Jill Jenkins schon immer zu jung ausgesehen.

Cally
24.8.10 17:11


8/120 - Unschuld



Es handelt sich hierbei nur um Fiktion. Folglich sind jegliche Rückschlüsse auf den Autor unzutreffend. Außerdem versuche ich nicht zu rechtfertigen, sondern nur, mich hineinzuversetzen. Der Inhalt dieser Geschichte ist für Kinder unter sechzehn Jahren ungeeignet. Ich bitte dies alles zu beachten. Dankeschön.


Langsam biege ich von der hell erleuchteten Hauptstraße in die schmale Seitengasse ein. Sie stehen schon an der Ecke, für jeden sichtbar. Jeder weiß, was sie hier tun, aber niemand interessiert sich dafür. Die Polizei kommt seit Langem nicht mehr hinterher, es sind viel zu viele. Das Lenkrad ist schweißnass, ich zittere am ganzen Körper. Will ich das wirklich? Natürlich will ich das, ich muss es sogar, doch ein Teil von mir weiß, wie entsetzlich falsch es ist. Beruhig dich, wende die Technik an. Schieb' den Gedanken weg, so wie du es tust, wenn sie im Sommer verschwitzt von der Schule zurückkommen, in ihren knappen Hosen, den Tops, die ihre zarten Arme entblößen und du gierig an der Scheibe klebst. Wie es dich erregt, wenn sie dir zufällig in die Augen sehen und von deinen Gedanken nichts ahnen. Ich kann nicht länger dagegen ankämpfen.
Und dann sehe ich sie.
Sie ist vollkommen.
Ein Engel.
Ich will sie.
Nur sie.
Ich bringe den Wagen zum Stehen und öffne die Beifahrertür. Die Laterne wirft einen perfekten Lichtkegel auf sie, der ihre makellose Haut strahlen lässt. Ein letzter Zug an der Zigarette und meine Sinne sind vernebelt. Ich stelle mir ihren Mund in einer anderen Situation vor. Mit etwas Dickerem zwischen den schmalen Lippen als einer Zigarette. Sie zögert kurz. Ich mache das Licht im Auto an, damit sie mich sehen kann. Jetzt nichts falsch machen. Möglichst harmlos lächeln, wie am Wohnzimmerfenster. Eigentlich zwecklos, wo sie doch genau weiß, was ich hier mache.
Ich kann aber noch umdrehen.
Kann die Tür zuschlagen.
Gehetzt nach Hause rasen.
Mich für meine Dummheit tadeln.
Mich loben dafür, dass ich der Versuchung noch einmal entkommen bin.
Mich leise in das Zimmer meiner Tochter schleichen und ihr einen Gute-Nacht-Kuss geben. Mich danach zu Gracia aufs Sofa setzen, die Spätnachrichten zu Ende schauen und nie wieder einen Gedanken an diese Nacht verschwenden.
Nein - es gibt kein Zurück.
Ehe ich mich versehe, sitzt sie neben mir. Verhalten wirft sie mir ein Lächeln zu und dreht sich dann wieder weg. Sie schließt die Beifahrertür und ich starte den Wagen. Ihre mirabellengroßen Brüste stechen sich durch das hellblaue Shirt und meine sexuelle Erregung wächst ins Unermessliche. Es fühlt sich an, als würde sie meinen Hosenladen sprengen. Ich will nicht, dass sie sieht, wie geil ich schon bin, sie soll keine Angst vor mir haben.
Sie hat kurzes, schwarzes Haar, ihre Haut ist leicht gebräunt und die Lippen hat sie sich blutrot angemalt. Sie ist zwölf, höchstens dreizehn. Zitternd zupft sie sich an ihrem Shirt und ich merke, dass sie genauso aufgeregt ist wie ich. Sie verschränkt die Arme, damit sie die Hände stillhalten kann und ich von ihrer Nervosität nichts mitbekomme. Ich ziehe mein Hemd heraus und versuche es möglichst luftig über die Hose zu legen, damit sie meinen Ständer nicht sieht.
Wir wollen beide der Coolere sein.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass sie so etwas macht und sie ist deswegen so aufgeregt. Ich möchte ihr nur ungern ihre Unschuld rauben, doch auf eine gewisse Art und Weise tut sie das auch bei mir. Ich hasse sie dafür. Ich hasse sie dafür, dass sie so schön ist.
„Sechzig Reais für alles“, presst sie heraus und als ich ihr kurz in die Augen blicke, fällt mir auf, dass sie meiner Tochter ein wenig ähnlich sieht.
„Ist in Ordnung.“
Wahrscheinlich wurde sie von ihren Eltern hergeschickt. Die Finanzkrise hat Brasilien ziemlich stark getroffen und manche Familien würden alles tun, um der drohenden Obdachlosigkeit zu entfliehen.
Ich könnte das meiner Tochter nie antun.
Abseits des Rio Tietê biege ich auf einen Parkplatz. Über dem Eingang des Motels flackern die Lettern 'São Paulo Inn'. Sie geht vor und ich beobachte, wie sie auf den hochhackigen Schuhen fast unmerklich ihren kleinen Arsch kreisen lässt. Welch erhabenes Geschöpf. Irgendwo zwischen kindlicher Unschuld und erwachsener Verführungskunst. Sie kennt ihre Reize genau, da bin ich mir ganz sicher. Als ich das Motel betrete und sie an der Rezeption warten sehe, ist alles wie weggeblasen. Die Angst, die Gewissensbisse, die Beklommenheit.
Alles was bleibt, ist Geilheit.
Was kann ich auch dafür?
Ich bin auch nur ein Mann.
Ich hab mir das nicht ausgesucht.
Das bin nicht ich.
Das sind nur meine Triebe.
Ich brauche sie.
Ich will sie.
Alles Andere zählt nicht.

Ochrasy
22.8.10 23:39


19/120 - Schnee



Das mir zu Schnee nichts anderes einfällt, ist irgendwie krank...


Der ganze Garten schien zu glitzern. Blumen und Sträucher waren bedeckt von einer dicken Schneeschicht. Nirgends war mehr ein Fleckchen Grün zu erkennen. Noch immer rieselte Schnee vom Himmel, lautlos sanken die zarten Flocken zu Boden, sanft, als ob sie das Gras nicht beim Schlafen stören wollten. Wie ein Bild lag das weitläufige Grundstück vor ihr, beruhigend und von einer Stille, die wie Balsam für ihre Ohren war. Sie hatte es drinnen einfach nicht mehr ausgehalten, es war, als wäre ihr Kopf kurz vorm Zerplatzen gewesen. Sein ständiges Geschreie hatte sie wirklich nicht länger ertragen können. Sein Heulen und Jammern, die plärrende, hohe Stimme, die ihr Kopfschmerzen verursachte. Also war sie in den Garten geflüchtet, so wie sie war, ohne Jacke, Schal oder Mütze. Sie fror erbärmlich, ihre Finger zitterten, doch es war ihr egal. Die Stille schien sie in Trance zu versetzen, sie war ganz ruhig und selbst ihre tauben Gliedmaßen störten sie nicht. Sie spürte nur diese Stille. Gegen das Schreien kann man nichts machen, hatten alle gesagt. Das legt sich mit der Zeit. Es hatte sich nicht gelegt, es war schlimmer geworden. Nur jetzt nicht, jetzt und hier war alles ruhig. Sie lächelte und sah auf ihre Hände, die Fingerspitzen liefen blau an. Sein Gesicht war auch blau angelaufen, das merkte sie erst jetzt. Vorher hatte sie nicht darauf geachtet. Sie hatte sich nur auf sein Geschreie konzentriert. Wie es erst immer dumpfer wurde und dann irgendwann ganz verstummt war. Zur Sicherheit hatte sie noch etwas gewartet, bevor sie den Druck gelöst hatte. Dann hatte sie ihn vorsichtig aus dem Schnee gezogen. Er war ganz ruhig gewesen, so ruhig wie nie zuvor. Nicht einmal sein Herz hatte sie mehr schlagen hören. Stolz durchflutete sie. Ihr Mann hatte gesagt, sie solle etwas gegen sein Geschreie tun, und das hatte sie. Mit dem kalten Körper im Arm ging sie wieder ins Haus. Bevor sie die Tür schloss, warf sie noch einen sehnsüchtigen Blick zurück. In ihren schneebedeckten, glitzernden, stillen Garten.

Cally
21.8.10 19:04


10/120 - Wieder Atmen



Nicht gerade ein Meisterwerk, aber was soll's.


Ich riss die Beifahrertür so heftig auf, dass sie mir fast entgegenkam, schmiss mich auf den Sitz, warf meine Tasche auf den Rücksitz und knallte die Tür wieder zu.
"Los! Schnell!", rief ich atemlos.
Der Fahrer drückte ohne Wenn und Aber auf das Gaspedal. Der Wagen holperte über den unebenen Weg, der vom Haus wegführte. Dem Haus, das ich so sehr hasste. Das mein Leben zur Hölle gemacht hatte. Ein Sarg, in den ich gesperrt worden war.
"Willst du mir jetzt endlich erklären, was..."
"Halt die Klappe und fahr schneller!", raunzte ich ihn an. Wir waren noch nicht weit genug weg. Vielleicht würde ich niemals weit genug weg sein. Ein Schmerz in meiner Brust ließ mich aufkeuchen.
"Alles in Ordnung?"
"Nein. Fahr! Ich muss weg hier."
„Okay, okay…“
Mein Brustkorb senkte und hob sich unregelmäßig, war wie von eisernen Ketten umschlossen, ständig gepresst wie von einem engen Korsett, und schrie nach Erlösung.
All die Jahre war er gequetscht und abgeschnürt worden. Weil ich nicht frei atmen konnte. Denn ich war nicht frei gewesen. Niemals. Ich hatte nur verbrauchte Luft geatmet, es war zur Gewohnheit geworden, so wie man im Rollstuhl sitzt oder eine Brille tragen muss.
Doch jetzt war der Drang nach frischer Luft so stark und unaufhaltsam. Ich dachte, nicht mehr lange und meine Lungen würde zerspringen, platzen, zerreißen.
„Schneller“, keuchte ich und der Fahrer gehorchte.
Eine Weile war nur das Röhren des Motors und das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt zu hören. Ich richtete meinen Blick starr geradeaus, versuchte, nicht zu denken, den Kopf auszuschalten, doch da draußen war nichts zu sehen. Außer schwarzer Finsternis.
Das Scheinwerferlicht machte ein paar Bäume am Straßenrand und die Leitplanke sichtbar. Doch das konnte mich nicht ablenken.
Irgendwann räusperte sich die Person neben mir.
„Wohin soll es denn eigentlich gehen?“
„Einfach weg. Weit, weit weg.“
Er seufzte und nickte dann.
Kilometer für Kilometer ging mein Atem ruhiger und ich sah noch auf der Digitalanzeige, dass es drei Uhr vierzehn war, als ich einschlief.

Sieben Uhr fünfzehn verkündete sie, als ich die Augen aufschlug.
Der Wagen fuhr nicht mehr. Der Platz neben mir war leer.
Ich sah mich um. Ein fast autoleerer Parkplatz. Langsam öffnete ich die Tür und stieg aus. Salziger, kalter Wind wehte mir um die Nase.
Ich drehte mich um und wurde von den Pastelltönen eines Sonnenaufgangs überwältigt. Orange, gelb, hellblau, etwas rosa. Die Sonne erhob sich gemächlich aus dem Wasser.
Das Meer. Ich war am Meer.
Vorsichtig ging ich ein paar Schritte. Die Luft war so kalt. So rein. So neu und frisch.
Ich hielt kurz inne. Dann holte ich tief Luft. Ich spürte, wie sie durch meinen Mund und meinen Hals in die Lunge strömte.
Sie tat so gut.
Ich breitete die Arme aus.
Endlich. Endlich wieder atmen. Nach so vielen Jahren.
Ich hatte es tatsächlich geschafft. Ich war frei.
„Wie geht es dir?“
Ich hatte gar nicht gemerkt, wie er sich hinter mich gestellt hatte.
„Die Luft schmeckt so gut in Freiheit.“ Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen.
„Sind wir denn schon weit genug weg?“, fragte er und drückte mich an sich.
Ich legte meine Hand in seine. „Ich liebe dich.“


Umbrella
21.8.10 12:38


120



Okay, das hier ist eine Challenge, die ich schon öfter vor allem auf fanfiktion.de gesehen habe. Ich habe mir die Vorgaben mal durchgelesen und mir die Liste kopiert.
Zu jedem Thema/Stichwort muss man etwas schreiben. Weitere Regeln gibt es gar nicht, soweit ich weiß.

Manches ist ziemlich arm übersetzt, finde ich. Aber gut.
Ihr könnt es euch ja mal angucken und drüber nachdenken, ob wir uns nicht auch mal daran machen sollen. Es muss ja nicht schnell abgehandelt werden, sondern kann über einen langen Zeitraum bearbeitet werden.
Wir könnten auch überlegen, gemeinsam an der Liste zu arbeiten, sodass wir uns die Themen aufteilen. Sodass nicht jeder einzeln 120 Themen schaffen muss, sondern alle zusammen daran schreiben. (:


1. In Between Worlds - Zwischen den Welten
2. Love - Liebe Umbrella
3. Sunset - Sonnenuntergang Ochrasy
4. Deep - Tief
5. Seeking Solace - Trost suchen Cally
6. Break Away - Sich lösen
7. Eden - (Garten) Eden
8. Innocence - Unschuld Ochrasy
9. Drive - Antrieb
10. Breathe Again - Wieder atmen Umbrella
11. Memory - Erinnerung
12. Insanity - Wahnsinn
13. Abuse - Missbrauch
14. Smile - Lächeln
15. Emotionless - Emotionslos
16. Caged - eingesperrt
17. Blood - Blut
18. Candy - Süßigkeiten Cally
19. Snow - Schnee Cally
20. Fortitude - Glück Cally
21. Anomaly - Unnormal
22. Forest - Wald Ochrasy
23. Cat - Katze
24. Me Time - Zeit für mich
25. Trouble Lurking - lauernder Ärger
26. Never Cry - Niemals weinen
27. Poison - Gift
28. Anguish - Qual/Kummer/Leid/Schmerz
29. Curious - Seltsam/ Neugierig
30. Rain - Regen
31. Defile - (Entweihung)/ Engpass
32. Never Look Back - Sieh niemals zurück
33. Provoke - Provokation
34. Mechanical - Mechanisch
35. Hold My Hand - Halte meine Hand
36. Precious Treasure - Kostbarer Schatz
37. Eyes - Augen
38. Abandoned - Verlassen
39. Dreams - Träume
40. Black and Blue - Schwarz und Blau Cally
41. Teamwork -Teamarbeit
42. Standing Still - Noch vorhanden /Noch stehend
43. Dying - Sterbend
44. Two Roads - Zwei Wege
45. Illusion - Illusion
46. Family - Familie
47. Homunculi - Homunculi (künstlicher Mensch)
48. Orphan - Weise
49. Stripes - Streifen
50. Breaking the Rules - Die Regeln brechen
51. Games - Spiele
52. Claustrophobia - Klaustrophobie (Platzangst)
53. Keeping a Secret - Ein Geheimnis behalten
54. City - Stadt
55. Waiting - Warten
56. Hell-Bent - Wild entschlossen
57. Sacrifice - Opfer
58. Bittersweet - Bittersüß
59. Suffocate - Ersticken
60. Rejection - Ablehnung
61. Fairy Tale - Märchen
62. Djinn - Djinn
63. Come-hither - Einladend
64. Amputation - Abtrennung
65. Contort - Krümmen
66. Suicide - Selbstmord
67. Security Blanket - Schmusedecke
68. Bully - Raufbold
69. Annoyance - Belästigung /Störung/ Verdruss /Schikane
70. Wanton - Lüstern/ lasziv
71. Obsession - Besessenheit
72. Pawn - Pfand / Bauer im Schach
73. I Can't - Ich kann nicht
74. Demented - Wahnsinnig
75. Mirror - Spiegel
76. Broken Pieces - Zerbrochene Stücke
77. Test - Test
78. The Fool - der Dummkopf
79. Disease - Krankheit
80. Words - Worte /Wörter
81. Edge - Kante/ Klippe
82. Forever - Für immer
83. Heal - Heilung
84. Out Cold - Bewusstlos
85. Spiral - Spirale
86. Seeing Red - Rot sehen
87. Appetite - Appetit
88. Pain - Schmerz
89. Through the Fire - durch (das) Feuer
90. Sephia - Tintenfischschwarz
91. Drowning - Ertrinken
92. Die for you - Für dich sterben
93. Give Up - Gib auf
94. Last Hope - letzte Hoffnung
95. Streets - Straßen
96. In the Storm - Im Sturm
97. Regret - Reue
98. Puzzle - Puzzle
99. Solitude - Einsamkeit
100. Relaxation - Entspannung
101. Emo - Emo
102. Act your age - Sei kein Kindskopf
103. Covet - Begehren
104. Detached - Getrennt /Unvoreingenommen/ Unbeteiligt
105. Belittle - Schmähen
106. Confusion - Verwirrung
107. Dog - Hund
108. Moonlight - Mondlicht
109. Secret Place - Geheimer Ort /Versteck
110. Annex - Anhang/ Anbau
111. Coward - Feigling
112. Emulate - Nachahmen
113. Kami - Gott
114. Place of God - Ort Gottes
115. Delicate - Zart/Labil/Feinfühlig
116. All my fault - alles meine Schuld
117. Chains - Ketten
118. Ferocious - Grausam
119. Autumn - Herbst
120. Loser - Verlierer


Umbrella


EDIT

Okay, hier eine Zusammenfassung unserer "Regeln":

- Zu jedem Thema muss eine Geschichte/ein Gedicht verfasst werden
- Jede Geschichte muss aus mindestens 100 Wörtern bestehen
- Die Übersetzungen dürfen auch berichtigt und die englischen Themen selbst interpretiert werden
- Wir beginnen mit den ersten 20 Themen, wenn 5 davon fertiggestellt sind, dürfen die nächsten 20 Themen angebrochen werden
- Themen, die am Ende, wenn alle Themen "freigeschrieben" sind, übrig sind, müssen dann bearbeitet werden
12.8.10 23:42


Brieffreundschaft



Was macht einen Menschen liebenswert? Und was nimmt alles Liebenswerte? Kann man jemanden lieben, der einen Mord begangen hat? Kann man jemanden lieben, den man noch nie gesehen hat?
Mein Name ist Patricia. Ich liebe einen Mörder.

Es hat in der ersten von drei Wochen Semesterferien angefangen. Der Kopf schwirrte mir von juristischen Fachbegriffen, Paragraphen und Gesetzen. Jetzt bloß Ferien zu haben und nichts tuend auf der Couch zu liegen, würde mir auch nicht helfen mich zu entspannen. Ich brauchte Ablenkung, nicht bloß ein Buch oder ein Film, wirkliche Ablenkung. Verreisen kam nicht in Frage, erstens, weil ich kein Geld hatte und zweitens, weil ich auch im Urlaub nicht umhin kommen würde, über Jura nachzudenken. Was ich wirklich brauchte, war ein Hobby. Eine Sprache lernen wollte ich aber auch nicht, mein Kopf brauchte wahrhaft eine Auszeit. Es musste etwas entspannendes sein, so wie malen oder zeichnen. Ganz so nun auch wieder nicht, denn das, was ich mit Stiften und Papier zu Stande brachte, konnten selbst Grundschüler besser. Ziemlich unschlüssig besorgte ich mir einen Prospekt der nahegelegenen Volkshochschule, um mich über die angebotenen Kurse zu informieren. Ich fand seitenweise Werbung für Yoga und Meditationskurse in meiner Nähe, und das blanke Entsetzen überkam mich. Stundenlang summend in einer Position zu verharren, oder sich wie eine Brezel bei nerviger Harfenmusik zu verknoten lag mir ganz und gar nicht. Ebenso wenig kam Bauchtanz oder Hip Hop in Frage, der einzige Tanz zu dem ich mich ab und an hinreißen ließ, war Walzer, und der wurde hier nur für Hochzeitspaare angeboten.
Ich glaube, schlussendlich auf die Idee hat mich meine Freundin Caro gebracht. Sie studiert Medizin und hatte ein ähnliches Problem wie ich. Caros Lösung war eine Brieffreundin, mit der sie zuerst über E-Mail Kontakt aufgenommen hat. Um das schöne, kribbelige Gefühl zu kriegen, haben sie angefangen sich Briefe zu schreiben. Ihre Brieffreundin hat Johanna und lebt in Bayern. Getroffen haben sich die beiden noch nie und wollen es auch so halten. Caro findet, sie kann entspannter mit ihr über alles reden, wenn sie sie nicht sieht.
Über alles reden klang für mich fantastisch. Ich hatte gerne Geheimnisse und erzählte niemandem alles. Umso verlockender war der Gedanke, einem völlig fremden Menschen meine intimsten Gedanken mitzuteilen. Allerdings wusste ich nicht, wie ich an eine Brieffreundin gelangen sollte. Caro war Mitglied auf hundert verschiedenen Websites, welche übers Kochen, über malen, über Porzellanpuppen…. Sie hatte hundert Interessen und hatte so jemanden mit ähnlichen gefunden. Mein einziges Interesse war Jura. Aber davon wollte ich mich ja ablenken.
Unschlüssig gab ich ‚Brieffreundschaften‘ in die Suchleiste von Google ein. Hätte ich gewusst, dass das eigentlich ein Hobby von Kindern ist, hätte ich meine Suche präzisiert, aber ich wusste es nicht. So klickte ich mich durch unzählige Links für Kinder von acht bis zehn, von elf bis dreizehn, von vierzehn bis sechszehn, von siebzehn bis zwanzig. Mit dreiundzwanzig kam ich mir sonderbar alt vor, denn Brieffreundschaften in ‚meinem Alter‘ schienen gar nicht vermittelt zu werden. Ich war inzwischen auf der vierzigsten Seite mit Suchergebnissen angelangt, als mir ein Link ins Auge fiel. Brieffreundschaften für Erwachsene, las ich da, es sollten sich einem ganz neue Welten öffnen. Interessiert klickte ich den Link an. Die Seite war trostlos und grau, sehr schlicht. Ein kurzer Text ganz oben, darunter weitere Links, die jeweils zu einem Bild und einem Namen gehörten. Ich las:

‚Sie haben Interesse an einer erwachsenen und tiefen Brieffreundschaft? Wir bieten Ihnen diese Möglichkeit. In Zusammenarbeit mit vielen Gefängnissen in Amerika haben wir die Brieffreundschaft-Börse entwickelt. Sie gibt Ihnen die Möglichkeit, sich mit Gefängnisinsassen aus ganz Amerika per Briefwechsel zu unterhalten und ihnen zu helfen, sich nicht ausgestoßen und vergessen vorzukommen. Diese Brieffreundschaften kosten Sie nichts, wir bitten Sie lediglich, für Papier und Briefmarken aufzukommen. Jeder Insasse, mit dem Sie einen Briefwechsel starten können, wurde vorher von Psychologen überprüft und für nicht gefährlich befunden. Sollten Sie trotzdem nach einigen Briefen das Bedürfnis haben, die Brieffreundschaft zu beenden, so können Sie dies jederzeit tun, wir bitten Sie aber, einen Zettel mit Gründen dafür beizulegen, damit wir erneuten Fehlern dieser Art vorbeugen können. Weiter unten finden Sie Bilder und Namen von 50 Inhaftierten, mit denen Sie Kontakt aufnehmen können. Folgen Sie den Links für mehr Informationen. Sollten Sie sich für eine Brieffreundschaft entschieden haben, senden Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihren Angaben sowie Adresse und dem Namen Ihres Brieffreundes. Wir senden Ihnen dann alles Nötige zu. Mit freundlichen Grüßen,
die Brieffreundschaft-Börse‘




Ist erst der Anfang, aber das wird wohl etwas länger. Wahrscheinlich poste ich es noch auf ff.de wenn es fertig ist, aber ich wollte erstmal eure Meinung.
Cally
23.7.10 11:26


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