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Love



Alles Liebe zum Geburtstag, Umbrella!
<3
11.11.10 17:15


Vera



Ich öffne die Augen und muss heftig blinzeln. Durch einen kleinen Spalt im Rollo blitzen mir die ersten Sonnenstrahlen direkt ins Gesicht. Murmelnd drehe ich den Kopf zur Seite. Mein Blick fällt auf Vera. Sie liegt auf dem Bauch, das Gesicht ins Kissen gedrückt. Wie jedes Mal frage ich mich, wie sie überhaupt Luft bekommt. Doch sie atmet ganz ruhig, ihr Rücken hebt und senkt sich leicht, aber gleichmäßig. Wenn sie schläft, dann schläft sie wie ein Stein. Sie bewegt sich nicht, zuckt nicht mal mit der Hand oder dem Fuß. Ich drehe mich jede Nacht etwa tausend Mal, während Vera sich nicht rührt. Ich betrachte sie schweigend. Ihr braunes, welliges Haar fällt zu beiden Seiten ihres Kopfes auf das Kissen. Im leichten Sonnenschein sieht es rot aus. Veras Haut ist blass, nicht so, dass es ungesund aussieht, aber blass. Ein paar Sommersprossen zieren ihren Nacken. Zarte, hellbraune Härchen überziehen ihre Arme, die neben dem Kopf auf dem Kissen liegen. Ihre Finger sind ins Kissen geklammert, wie jede Nacht, und ich sehe, dass sie sich die Fingernägel orangerot lackiert hat. An ihrer linken Hand funkelt der Verlobungsring meiner Großtante, den ich ihr geschenkt habe. Er sieht fast aus wie unser Ehering, den sie an der rechten Hand trägt, schmal und golden, aber er ist zusätzlich mit einem kleinen, runden Rosenquarz besetzt. Ein Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Seit wir geheiratet haben, hat sie keinen der beiden Ringe jemals abgenommen, wenn es nicht unbedingt sein musste. Mein Blickt gleitet von ihren Armen zu ihren Schultern, genau in der Mitte ihrer Schulterblätter, deren Form ich gerade so ausmachen kann, hat sie ein Muttermal. An dieser Stelle ist Vera auch kitzelig, und ich bin versucht leicht mit meinen Finger darüber zu streichen. Aber ihr ruhiger Schlaf und der entspannte Atem halten mich davon ab. Vera trägt irgendein Schlafanzugoberteil mit schmalen Trägern, das sie sich aus einem Katalog bestellt hat und das sehr teuer war. Es ist schokoladenbraun und mit karamellfarbener Spitze verziert, wie sie mich belehrt hat, als ich sagte es sei dunkelbraun und beige. Das Oberteil ist bis zur Mitte des Rückens hochgerutscht und ich verfolge die feine Linie ihrer Wirbelsäule mit den Augen bis zum Anfang ihrer Schlafshorts. Ihre ausladenden Hüften, über die sie immer schimpft, kommen hier meiner Meinung nach ganz wunderbar zur Geltung, genauso wie die sanfte Wölbung ihre Pos, über den sie halbherzig die Decke gezogen hat. Unter dieser kann ich gerade so ihre Beine ausmachen, die sie wütend Stummelbeine nennt. Es stimmt, Vera ist klein, sie ist nie über hundertdreiundsechzig Zentimeter hinausgekommen. Aber ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil. Es stört mich nicht, dass sie fast zwanzig Zentimeter kleiner ist als ich. Meine Augen schweifen wieder über ihren Körper, langsam und wohlwollend. Bei dem Gedanken an ihr Lächeln, wenn sie aufwacht und mich ansieht, bekomme ich Schmetterlinge im Bauch. Auch nach drei Jahren Ehe. Ich stütze den Kopf auf die Hand, den Blick auf ihren Kopf gerichtet, ich will dieses Lächeln auf gar keinen Fall verpassen. Vera zuckt leicht zusammen, ihre rechte Hand löst sich langsam vom Kissen. Ich höre sie leise Stöhnen, das macht sie immer, wenn sie wach wird, und mir läuft ein heißkalter Schauer über den Rücken. Schläfrig richtet sie sich auf, mit geschlossenen Augen lässt sie den Kopf kreisen und drückt den Rücken durch. Dann öffnet Vera die Augen, sieht mich an und meine Atmung setzt kurzzeitig aus, als sich ihre wundervollen Lippen zu einem unglaublich schönen Lächeln verziehen. „Guten Morgen, mein Engel.“, sage ich und ich meine es genau so. Sie lehnt sich zu mir, ich küsse sie und habe große Lust damit nicht mehr aufzuhören.

Cally
26.9.10 12:50


Ja ciebie kocham



Achtung, schmalziger Protagonist mit einem nicht zu unterschätzenden Einsamkeits-Problem. Hat außerdem ziemlich einen an der Waffel.

An dem hier schreibe ich jeden Monat so circa einen Abschnitt. Weiß nicht so genau, wie und wann ich das jemals abschließen soll. (;




Ich schlug die Augen auf und wusste, es war ein guter Tag. Der erste Tag seit langer Zeit, den ich ohne mich selbst anzulügen als „gut“ bezeichnen konnte.
Und diese Tatsache hatte nur einen einzigen Grund – Den warmen, schlafenden Körper, um den mein Arm lag, als wollte er ihn nie wieder loslassen.
Eine Weile blieb ich mit geöffneten Augen liegen, um mir zu versichern, dass dieser gute Morgen Wirklichkeit war. Es war so ein unendlich schönes Gefühl, nicht allein aufzuwachen. Das hatte ich wirklich vermisst.
Ich hörte den gleichmäßigen Atem neben mir und spürte, wie sich der Brustkorb hob und senkte.
Er lag mit dem Rücken zu mir. Seine Wirbelsäule drückte ein wenig gegen meinen Oberkörper. Diese Nähe jagte mir einen wohligen Schauer durch den Körper.
Noch vor wenigen Tagen hatte ich mir eingeredet, es brächte doch auch viele Vorteile mit sich, allein zu sein. Und dass ich voll und ganz zufrieden wäre.
Erst in diesem Moment begriff ich, dass ich Lichtjahre entfernt gewesen war von Zufriedenheit. Ich musste der unglücklichste Mensch auf der ganzen Welt gewesen sein und hatte es nicht einmal gemerkt.
Ich war einfach kein Mensch, der mit Einsamkeit umgehen konnte. Ich brauchte meine Freunde, meine Familie und vor allen Dingen einen Menschen, neben dem ich aufwachen konnte.
Und letzteres machte diesen Morgen zu dem besten seit einigen Monaten.
Ich richtete mich ein wenig auf, um das Gesicht des Schlafenden sehen zu können. Ein fasziniertes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Sein zweifelsfrei hübsches Gesicht sah im Schlaf fast noch besser aus. Er wirkte so friedlich.
Ihm beim Schlafen zuzusehen, entspannte mich irgendwie. Einige Minuten vergingen, dann musste ich einsehen, dass ich nicht ewig so im Bett liegen und ihn beobachten konnte.
Vorsichtig zog ich meinen Arm zurück und stieg aus dem Bett. So leise wie möglich suchte ich mir einen Pullover und eine Jeans aus dem Schrank und verließ das Schlafzimmer.
Nachdem ich geduscht, mich rasiert und angezogen hatte, ging ich in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Während der hochmoderne Kaffeeautomat, der mich ein halbes Vermögen gekostet hatte, zu Hochtouren auflief, setzte ich mich an den provisorischen Campingtisch und blätterte gedankenverloren durch die Tageszeitung von vorgestern.
Schon seit Wochen hatte ich vor, endlich ins Möbelhaus zu fahren und einen vernünftigen Küchentisch zu kaufen. Doch ich war ein Meister im Aufschieben und Verdrängen. Außerdem spannte der neue Job mich fast rund um die Uhr ein. Ein freies Wochenende wie dieses war die absolute Ausnahme.
Wahrscheinlich war dies der Grund für die Umzugskartons, die in der ganzen Wohnung verteilt waren und darauf warteten, ausgepackt zu werden. Oder aber meine chronische Faulheit. Irgendetwas in mir wehrte sich jedes Mal, wenn ich mich einem Karton näherte.
Ein bisschen schämte ich mich für das Chaos, das in meiner Wohnung herrschte. Denn normalerweise hatte ich keinen Besuch, vor dem mir etwas peinlich sein musste. Eigentlich war der Junge, der gerade in meinem Bett lag, der Erste außer mir, der diese Wohnung betreten hatte.
Wie es zu diesem denkwürdigen Ereignis gekommen war?
Kopfschüttelnd ließ ich den gestrigen Abend Revue passieren. Ich war nach Schöneberg gefahren, wo sich die Schwulenbars aneinander reihten.
Es war ein völlig wahnwitziges Vorhaben gewesen, ausgelöst durch zu viel Einsamkeit und einen freien Freitagabend. Außerdem hatte ich schon seit einer halben Ewigkeit keinen Sex mehr gehabt.
Ich hatte niemals zuvor darüber nachgedacht, für Sex Geld zu bezahlen. Schließlich war Sex kein Geschäft. Hatte ich zumindest immer gedacht. Bisher hatte ich es nie nötig gehabt, über so etwas nachzudenken.
Doch der Umzug nach Berlin hatte alles verändert. Eben noch in meinem kleinen österreichischen Heimatdorf, plötzlich in der großen Stadt. Kein Wunder, dass ich einfach nicht Fuß fassen konnte. Ich fand keinen Anschluss, egal wie sehr ich mich bemühte, und bekam selbst mein eigenes Leben nicht auf die Reihe.
Es hatte auch nicht lange gedauert, bis ich in einer dieser kleinen Bars angesprochen wurde. Der Typ war allerdings wirklich nicht mein Fall und redete auch nicht lange um den heißen Brei herum. Während er mir seine Preisliste aufzählte, suchte ich nervös nach einem Fluchtweg.
Ich hatte immer gedacht, als Freier hätte man eher … die Oberhand. Aber ich hatte ja auch immer gedacht, Sex hätte etwas mit Liebe zu tun. Oder ich war einfach ein schlechter Freier.
Wahrscheinlich kapierte ich in genau jenem Moment, dass ich für so etwas einfach nicht gemacht war. Es gab Leute, für die war es eine Selbstverständlichkeit, am Freitagabend Anbandelungsgespräche in einer dunklen Homo-Kneipe zu führen und teuren Sex mit routinierten Strichern in einem Pensionszimmer zu haben. So einer war ich mit relativ großer Sicherheit nicht. Das war einfach nichts, was ich jeden Tag tat, und erst recht keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht war ich ein Feigling. Oder noch nicht einsam genug. Aber wie einsam musste ich denn noch werden?
Wie auch immer – Ich konnte das nicht, egal wie man es drehte und wendete. Das war nicht meine Welt.
Ich brachte den eifrigen Geschäftsmann zum Schweigen, als ich urplötzlich von meinem Stuhl hochfuhr und kopflos irgendetwas stotterte wie: „Sorry, mir ist schlecht…“
Panisch stolperte ich aus der plötzlich so verhassten Bar – Zugegeben, wahrscheinlich reagierte ich ein wenig über. Doch in diesem Moment packte mich einfach die Angst vor… Ja, vor was? Vor mir selbst.

Ohne einmal anzuhalten, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen oder wenigstens meine Jacke zu schließen, hastete ich durch die noch junge Nacht. Vorbei an noch mehr Bars, Clubs und Kneipen. Ich hatte genug, wollte nur noch nach Hause und mich in Selbstmitleid suhlen. Ich wusste genau, wenn ich genau das tun würde, wäre ich wahrscheinlich monatelang stinksauer auf mich selbst und würde meine überstürzte Flucht furchtbar bereuen.
Nicht nur deswegen war es wohl mehr als pures Glück, eher ein Segen, die absolute Erlösung, die mir die Hand reichen würde, um mich aus meinem schwarzen Loch zu ziehen.

Wie diese Erlösung konkret aussah? Nun… Etwa ein Meter achtzig, schlank, blond und viel zu dünn gekleidet für diese Jahreszeit.
Er stand vor einer Seitengasse zwischen zwei wenig einladenden Clubs, eine Flasche billigen Alkohol in der Hand. Mein erster Gedanke war, wer diese Schönheit an einem so unfeinen Ort ausgesetzt hatte. Der zweite, ob er sich nicht erkältete in seiner Aufmachung. Beide waren mir im Nachhinein peinlich.
Ich war stehen geblieben, ohne dass ich es gemerkt hatte. Eine Gruppe Feierlustiger rempelte mich an, weil ich mitten im Weg stand. Verwirrt versuchte ich, meine Gedanken zu ordnen.
Doch eigentlich war alles klar. Ein Junge, attraktiv, allein vor einer Seitengasse, knapp bekleidet und ich, nicht ansatzweise so attraktiv wie er, keine zehn Meter weiter, hoffnungslos einsam, sich sehnend nach etwas Zweisamkeit. Das war wie der Deckel und der Topf, das Q und das U, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio… Wie auch immer – Das passte doch einfach.
Langsam, als hätte ich Angst, dass sich der Junge beim nächsten Schritt in Luft auflösen könnte, ging ich auf ihn zu. Er war gerade damit beschäftigt, zu beobachten, wie die Flüssigkeit in seiner Flasche gegen das Glas schwappte, wenn er sie in der Hand drehte. Ich fragte mich, ob er betrunken war.
Doch als ich nur noch geschätzte fünf Schritte vor ihm stand, schaute er plötzlich auf und sah mich direkt an. Nervös zuppelte ich an meiner Jacke herum.
Seine blauen Augen schienen mich zu durchdringen. Ich erwiderte den Blick unsicher.
Er war eindeutig hübsch. Blasse Haut, hohe Wangenknochen, eine schmale Nase, die blauen Augen, hellblonde, kurze Haare. Er musste aus dem Ostblock kommen. Normalerweise stand ich nicht besonders auf diese harten, derben Gesichtszüge, die für Menschen aus dieser Gegend typisch waren, aber dieser Junge hatte irgendetwas an sich, das ich nicht wirklich beschreiben konnte.
Zu meiner Erleichterung war er es, der schließlich die letzten Meter zwischen uns überwand.

„Na?“

Seine tiefe, rauhe Stimme jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. Er war ein wenig kleiner als ich, aber wirklich nur ein wenig. Über der linken Augenbraue war die Haut leicht gelblich gefärbt, wie bei einem langsam heilenden Bluterguss oder einem großen blauen Fleck.

„Ich bin Marek.“

Er sprach mit starkem Akzent, das hörte man schon bei diesen drei Wörtern. Zwar kannte ich mich nicht besonders gut aus, aber hätte ich mich entscheiden müssen, hätte ich auf Pole getippt.

„Davin“, entgegnete ich nur, um nicht Gefahr zu laufen, mich zu verhaspeln oder in andere peinliche Situationen zu geraten.
Verdammt, ich ging schon langsam aber sicher auf die Dreißig zu und trotzdem war ich so naiv und benahm mich wie ein verknallter Schuljunge! Ich schämte mich schon fast für mich selbst.
Mareks rauhe Stimme unterbrach meine Selbstzweifel. „Wohin?“
Ich musste mich bemühen, ihn nicht mit offenem Mund anzustarren. Das ging so … schnell, so ohne Worte. Natürlich, ich konnte keinen Smalltalk erwarten. Dieses ganze Ding war mir einfach fremd. Doch ich hatte das Gefühl, mit Marek alles richtig zu machen.
Ich holte tief Luft. „Zu mir.“
„Gut.“
Er sah mich an und ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, dass er wartete, dass ich losging. Ahnen konnte er schließlich nicht, wo meine Wohnung war. Mit wahrscheinlich hochrotem Kopf stolperte ich vorwärts.

Als wir schon einen Häuserblock hinter uns hatten, fragte Marek irgendwann: „Kein Auto?“
Ich zuckte zerknirscht mit den Schultern. „Ne, tut mir Leid, die U-Bahn muss reichen.“
„Okay“, sagte er nur.

Zehn Minuten später saßen wir in der richtigen U-Bahn. Marek hatte sich ans Fenster gesetzt, den Kopf auf die Hände gestützt und seine Flasche zwischen die Oberschenkel geklemmt. Bei jedem Ruckeln und Bremsen wurden unsere Oberkörper leicht gegeneinander gedrückt.
Es war ein sonderbares Gefühl, nicht allein in der U-Bahn zu hocken. Wir sprachen zwar kein einziges Wort, doch trotzdem war Marek schließlich nur wegen mir da. Er saß neben mir und warf mir, wenn auch nur ganz selten, einen Seitenblick zu. Das war wahrscheinlich idiotisch und ziemlich egozentrisch, doch schon das hatte ich vermisst. Das Gefühl, dass jemand zu mir gehörte.
Die Leute um uns herum sahen in Marek allerdings nicht die lang ersehnte Freitagabend-Erlösung. Immer wieder erwischte ich einen, der ihn abschätzend musterte oder mit hochgezogenen Brauen die Flasche zwischen seinen Beinen entdeckte. Als hätten sie in dieser Stadt noch nichts Schockierenderes gesehen.
Marek reagierte auf keinen der Blicke. Vielleicht war er das schon gewohnt, dass er schief angeschaut wurde, als hätte er ein Preisschild auf der Stirn kleben. Manchmal lehnte er den Kopf an die Scheibe, doch wenn die Bahn dann wieder bremste, fuhr er hoch und starrte den Boden zwischen seinen Knien an.
Er wirkte nicht betrunken auf mich, auch wenn er immer wieder einen kleinen Schluck aus der Flasche nahm. Nunja, er war Pole, für den war Wodka bestimmt wie die Tasse Kaffee, die ich am Tag mindestens dreimal brauchte.

Geräusche aus dem Flur ließen mich hochschrecken.
Er war also auch aufgewacht. Ein kleines Lächeln zuckte in meinen Mundwinkeln.
Sekunden später erschien dann sein Kopf im Türrahmen. Er sah müde und zerknittert aus, das genaue Gegenteil zu dem schlafenden Marek. Doch ich beneidete ihn wirklich um sein kurzes Haar. Bestimmt brauchte er morgens bloß mit der Hand durchzufahren und schon lagen sie wieder perfekt. Ich dagegen brauchte eine halbe Ewigkeit vor dem Spiegel, ausgestattet mit Föhn, Bürste und verschiedenen Gels, um unter Leute gehen zu können.
Ich spielte mit dem Gedanken, mir die Haare genauso kurz schneiden zu lassen, als Marek einen etwas unsicheren Schritt in die Küche machte. Jetzt sah ich, dass er Schuhe und Jacke trug. Verblüfft starrte ich ihn an.
Marek blieb in sicherer Entfernung stehen und schaute zwischen mir und ein paar Kartons rechts von ihm hin und her. Wort- und bewegungslos standen wir uns gegenüber.
In diesem Moment ertönte der durchdringende Ton der Kaffeemaschine, der mir sagte, dass der Kaffee fertig war. Ich zuckte erschrocken zusammen. Auch Marek schien der Ton aus seiner Starre zu lösen.

„Ich gehe dann“, sagte er mit klarer Stimme.

Nur langsam sickerten die Worte zu mir durch. Er wollte gehen. Nach dieser viel zu guten Nacht und diesem viel zu guten Morgen wollte er mich einfach mir selbst überlassen.
Klar, wahrscheinlich war das nunmal so nach einer Nacht mit bezahltem Sex. Der Job war getan, der Kunde war befriedigt, im wahrsten Sinne des Wortes, es gab keinen Grund noch zu bleiben.
Verdammt, ich hatte doch gewusst, dass der gute Morgen trügerisch gewesen war. Ich hätte mich am liebsten selbst geohrfeigt für den emotionalen Höhenflug, der in diesem Moment ein abruptes Ende gefunden hatte. Wie hatte ich mir nur irgendwelche idiotischen Hoffnungen machen können? Es war Sex gewesen. Mehr nicht.
Und jetzt stand der Junge, der mich so fasziniert hatte, in meiner Küche und wollte sein Geld, um verschwinden zu können.

Doch Fakt war – Ich wollte nicht, dass er ging. Ich wollte jetzt nicht allein sein. Ich wollte dieses gute, neue Gefühl nicht verlieren.
Aber was sollte ich schon tun? Ihn auf Knien anbetteln, nicht zu gehen? Ihn am Küchenstuhl fesseln?
Ich musste irgendetwas sagen, denn Marek würde ungeduldig werden. Angestrengt suchte ich nach den richtigen Worten, nach irgendetwas, was ich sagen konnte. Doch da war nichts. In meinem Kopf herrschte gähnende Leere.

Und so hörte ich mich sagen: „Guten Morgen.“

Innerlich verabschiedete ich mich schon. Es war mir einfach rausgerutscht. Warum musste mir so etwas Bescheuertes immer in den unpassendsten Augenblicken passieren? War ich nicht schon arm genug dran?
Ich riskierte einen Blick in Mareks Richtung. Ihm stand die Verblüffung ins Gesicht geschrieben. Wie in Zeitlupe öffnete er den Mund.
„Guten … Morgen.“
Es klang fremd in seinem starken Akzent, doch noch nie war ich glücklicher über ein einfaches Guten Morgen gewesen.
Langsam kehrten meine Lebensgeister zurück und ich nutzte die plötzliche Euphorie.
„Ich … hab Kaffee gemacht“, sagte ich und deutete auf eine dampfende Tasse. „Willst du? Natürlich nur, falls du noch Zeit für ein Frühstück hast.“
Er schien einen Moment zu überlegen, doch dann nickte er und machte ein paar unbeholfene Schritte auf den Tisch zu. Ich nahm die zwei Tassen Kaffee und stellte sie darauf.
„Setz dich“, bot ich ihm an und versuchte, meine Anspannung mit einem lockeren Ton zu überspielen. Klappte auch ganz gut.
Er nahm das Angebot an, setzte sich auf einen der Campingstühle, ohne eine einzige Anmerkung über meine baustellenartige Möblierung zu machen, wofür ich ihm sehr dankbar war, und trank von seinem Kaffee.
Ich jedoch wuselte weiter in der Küche herum. „Toast? Brötchen? Aber ich hab nur welche zum Aufbacken.“
„Danke, ich möchte nichts“, entgegnete Marek.
„Okay…“
Ich setzte mich zu ihm und schlürfte vorsichtig an dem viel zu heißen Kaffee.
So unauffällig wie möglich betrachtete ich ihn. Er starrte gedankenverloren in seine Tasse. Die Morgensonne, die durch das Fenster fiel, umspielte sein Gesicht. Und dabei fiel mir ein weiteres Mal auf, dass er verboten gut aussah. Sein Haar glänzte in allen erdenklichen Goldtönen. Die harten Gesichtszüge wirkten plötzlich ganz weich. Am Hals entdeckte ich ein kleines Muttermal, das mir schon am Tag zuvor aufgefallen war. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, es zu berühren. Es fiel mir schwer, den Blick abzuwenden.
Er durfte nicht gehen. Nicht jetzt.

„Wo wirst du jetzt hingehen?“ Das war die Frage, die mir schon die ganze Zeit auf den Lippen gebrannt hatte.
Marek sah auf und unsere Augen trafen sich. Sein Blick war so intensiv, dass ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten.
„Ich meine… wohnst du in Schöneberg?“, korrigierte ich mich schnell, weil mir die Frage doch etwas ungeschickt vorkam.
„Ich wohne bei einem Freund“, antwortete er. „In Kreuzberg.“
„Ah.“ Ich starrte nutzlos in meine Tasse. Das war die letzte Gelegenheit, mit ihm zu reden, etwas über ihn herauszufinden, und in meinem Kopf herrschte gähnende Leere. Normalerweise hatte ich überhaupt kein Problem damit, ein Gespräch zu beginnen, aber in diesem Moment wollte mir einfach nichts einfallen. Es war doch zum verrückt werden.
Wahrscheinlich wollte Marek auch gar nicht mit mir reden. Er wollte sein Geld und verschwinden. Mehr nicht. Doch das konnte ich nicht zulassen. Das wollte ich nicht.
Meine Gedanken drehten sich im Kreis und es kam doch nichts dabei heraus. Es gab keine Möglichkeit, ihn zum Bleiben zu bewegen, ohne mich selbst völlig zu blamieren.

Doch das hatte ich ja bereits erledigt. Ich erinnerte mich an gestern Nacht, als Marek einfach aufgestanden war und gehen wollte. Ich war schon im Halbschlaf gewesen, doch als sich die Matratze leicht bewegte, war ich sofort wieder hellwach.
„Wo willst du hin?“, fragte ich ihn mit belegter Stimme.
Er hielt inne und wahrscheinlich schaute er mich so intensiv an wie noch gerade eben, in der Dunkelheit konnte ich natürlich nichts erkennen. „Gehen.“
Unter anderen Bedingungen hätte ich wahrscheinlich über diesen Dialog gelacht, doch im beschriebenen Moment war mir nicht nach Lachen.
„Jetzt?“
Stille.
„Du kannst doch noch bleiben…“ Meine Stimme klang nicht annähernd so verzweifelt wie ich es war.
„Ich… muss gehen.“
Langsam setzte er das Anziehen fort.
„Ich… äh… ich gebe dir morgen das Doppelte, wenn du bleibst!“ Ich konnte nicht ganz fassen, dass ich das gesagt hatte. Nun bestach ich diesen Jungen schon, damit ich nicht allein sein musste. Ich war einfach nur noch bemitleidenswert.
Doch es hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Zwar zögerte Marek eine ganze Weile, doch schließlich legte er sich wieder wortlos neben mich.
Es stärkte nicht gerade mein Selbstwertgefühl, dass ich die Kerle nur noch mit Geld in meinem Bett halten konnte. Doch ich musste nicht allein bleiben. Das erste Mal seit einer halben Ewigkeit.


Umbrella
26.9.10 00:24


Er auch



Das ist kein Challenge-Text, die Idee kam mir einfach so, und ließ sich nirgends einordnen. Das mit dem 'Er auch', war eigentlich nicht geplant, aber jetzt gefällt es mir. Es gefällt mir insgesamt.

„Hast du alles?“ Sam blickt mich an.
Ich schaue in meinen Rucksack. „Alles klar.“ Ich nicke. Sam auch.
Wir sehen uns an. Etwas unschlüssig. Die Tür wirkt plötzlich so groß. Riesig. Ich schlucke. Er auch.
„Angst?“, fragt Sam. „Natürlich nicht!“, lüge ich.
„Ich schon.“ Er lächelt. Ich seufze. „Ich auch.“ „Ich weiß.“ Wieder lächelt er.
„Sam…“, beginne ich, „Du weißt, dass ich dich mag.“ Meine Kehle schnürt sich zusammen.
„Ich mag dich wirklich!“ Sam lacht.
„Wirst du jetzt sentimental?“ „Ich…“, eigentlich will ich widersprechen. Mache ich aber nicht. „Ja, irgendwie schon.“, gebe ich zu. „Ich mag dich auch, Jake.“, sagt er. Ich lege die Arme um ihn. Ganz fest. Drücke ihn an mich. Atme tief durch.
Meine Hände zittern. Er merkt es. Stößt mich an. „Hey.“ Ich sehe zu Boden. „Hey!“
Er zieht an meiner Jacke. Ich sehe auf. „Das wird, glaub mir. Wir können das. Wir haben geübt!“
Das haben wir. Lange. Oft. Wir können das. Ich nicke. Er auch.
„Okay.“ Ich hole Luft. Ganz tief. Sam auch.
Wir sehen uns in die Augen. Ich weiß, was er denkt. Er weiß, was ich denke. „Los?“, fragt er. Noch einmal hole ich Luft. Dann lächle ich. Er auch.
„Los.“, sage ich. Sam öffnet die Tür. Ich entsichere das Maschinengewehr. Er auch.
Alle sehen uns an. Die ganze Schule. Ich werfe eine Handgranate. Irgendwohin. Mitten in die Cafeteria. Sie beginnen zu schreien. Ich schieße. Sam auch. Ich lächle. Er auch.

Cally
17.9.10 20:51


5/120 - Trost suchen



Hat eigentlich weniger mit dem Thema zu tun, als vielmehr mit Freundschaft.

„…und…sie…konnte…nicht…verstehen…warum…“
Das Telefon fängt an zu Klingeln. Ignorieren. Weiterschreiben.
„…verstehen…warum…er…sie…“
Das Klingeln hört nicht auf. Zusammenreißen. Weiterschreiben.
„…er…sie…verlassen…hatte…Komma…da…sie…“
Es klingelt noch immer. Mist. So bekomme ich den Aufsatz nie fertig. Ergeben nehme ich den Hörer ab.
„Janina Winter, hallo?“, melde ich mich. Klingt nicht sonderlich begeistert. Egal.
„Nina?“, die Stimme ist ganz leise. Flüsternd.
„Ja?“, frage ich unsicher.
„I…ich bins, Wi…Wi…Wilma.“, stammelt sie. Und bricht in Tränen aus.
„Wilma? Was ist los?“, meine Stimme zittert jetzt auch. Vor Angst.
„Ko…kommst du vorbei?“, heult sie. Ich schlucke.
„Ja, klar. Ich bin schon unterwegs.“, damit lege ich auf. Besorgt sehe ich das Telefon an. Wilma….
Ich suche meine Jacke. Finde sie nicht. Kurz vorm Ausrasten. Was solls. Im T-Shirt steige ich aufs Fahrrad. Wilma wohnt nicht weit weg. Mir ist eiskalt.
Zitternd komme ich bei Wilma an. Ich habe immer noch ein bisschen Angst vor dem Riesenhaus. Obwohl Wilma und ich uns schon lange kennen. Zehn Jahre. Verdammt lange.
Klingel drücken. Kalt. Ich klappere mit den Zähnen. Wilma macht auf. Sie hat rot verheulte Augen.
„Komm rein…“, nuschelt sie. Mache ich auch. Drinnen ist es warm. Ich atme auf.
„Wo ist deine Jacke?“, fragt Wilma. Ich schüttele den Kopf.
„Ist doch egal. Hab mich beeilt. Was ist los?“ Wir gehen in ihr Zimmer. Auf ihrem Bett liegt Schokolade. Viel Schokolade. Oh nein. Sie isst selten Schokolade. Nur, wenn sie echt traurig ist.
„Was ist passiert?“
Wilma fängt wieder an zu weinen. Ich nehme sie in den Arm. Streichle durch ihr Haar. Sie liebt das. Weint trotzdem.
„Er hat…Robin hat…“, sie stockt. Weint wieder. Sagt dann: „Er hat mich abserviert.“
Robin war ihr Freund. Sie dachte an was Ernstes. Das ging schon seit fast einem Jahr. Ich mochte ihn auch. Er war immer nett zu ihr. Und freundlich zu mir. Egal.
„Wichser!“, sage ich. Wilma lacht. Endlich.
„Deshalb hab ich dich angerufen.“, sagte sie. Heult nicht mehr so sehr. Ich lache auch.
„Für dich immer.“

Cally
31.8.10 17:25


2/120 - Liebe



Weil das für mich Liebe ist.


Sowas wie Liebe

„Alfred, hast du deine Tabletten schon genommen?“
„Ja, habe ich.“
„Auch die kleinen weißen aus dem runden Behälter?“
„Ja, auch die.“
„Aber deine Augentropfen, die habe ich dir heute noch nicht gegeben, oder?“
„Nein, die Augentropfen noch nicht.“
„Gut, warte einen Augenblick, ich komme gleich.“

Er saß am Küchentisch, am Kopfende, auf dem breitesten Stuhl. Seine Unterarme lagen auf der pflegeleichten Plastiktischdecke und seine Füße steckten in den grauen Filzpantoffeln, die sie ihm zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Obwohl sie wie immer die Abmachung getroffen hatten, sich nichts zu schenken. Letztendlich war immer nur er derjenige, der diese einhielt. Das war schon immer so gewesen.
Sein Blick war getrübt vom grauen Star und auch das Gehör wollte nicht mehr so richtig, doch einem Hörgerät stand sein Stolz im Weg.
Er wäre gern hinüber gegangen zur Fensterbank und hätte das Radio angemacht. Allerdings schmerzte sein Knie seit einigen Tagen wieder so stark, dass das Aufstehen eine Qual war. Irgendwann würde er aufstehen müssen, spätestens, wenn die Tagesschau begann. Hilde würde ihm schon aus dem Stuhl helfen, wenn es so weit war.

„So, da bin ich.“
Sie stellte das kleine Fläschchen mit den Augentropfen auf dem Tisch ab und wusch sich die Hände über der Spüle. Dann nahm sie das Fläschchen wieder und stellte sich neben ihn.
„Gut, und jetzt kurz stillhalten.“
Er hielt immer still. Nicht ein einziges Mal hatte er jemals gezuckt.
Sie zog an seinem Augenlid und tröpfelte die Flüssigkeit in sein Auge.
Die moderne Medizin ist schon was Tolles, dachte er, als das andere Auge an der Reihe war. Für jedes Leiden gibt es das passende Medikament. Damals war man in meinem Alter schon tot. Außer die ganz Abgehärteten, die geackert haben, bis es nicht mehr ging und noch länger. Aber heutzutage sind die Zeiten ganz anders.
„Schon fertig!“
Aber ob das immer so gut ist…, dachte er weiter. Mit den ganzen Pillen und den Operationen. Irgendwann muss man wohl mal sterben. Wir sollten uns der Zeit erfreuen, die für uns vorgesehen ist.
„Ist dein Knie schon besser geworden, Alfred?“
Andererseits, schoss es ihm durch den Kopf, andererseits habe ich so noch ein paar ruhige Jahre zu verleben mit meiner Hilde. Und mit den Kindern und den Enkeln natürlich. Und wenn ich dann genug gelebt habe, dann können auch die Ärzte nicht mehr helfen. Dann kommt es eben, wie es kommt. Bis dahin genieße ich es lieber noch ein wenig.
„Wenn es nicht besser wird, mache ich nächste Woche mal einen Termin mit Dr. König.“
Er seufzte. „Ja, das kannst du wohl machen. Hilfst du mir aus dem Stuhl, Hilde? Gleich kommt die Tagesschau.“
„Ach, stimmt ja, die Tagesschau“, rief sie. „Die habe ich ja schon fast vergessen. Natürlich helfe ich dir.“
Sie legte eine Hand an seine Hüfte, die andere hielt sie ihm hin und er umfasste sie.
„Du musst übrigens unbedingt mal nach den Stiefmütterchen im Garten schauen. Die sehen gar nicht gut aus. Vielleicht waren da die Schnecken dran“, gab sie zu bedenken.
„Das werde ich mir dann wohl mal anschauen.“
Mit einem Stöhnen erhob er sich mit einem Ruck aus dem Stuhl.


Umbrella
31.8.10 15:26


40/120 - Schwarz und Blau



Es ist schon wieder so kurz. Aber egal. Es ist natürlich für euch beide, die die Hand sind, die mich aus dem Schwarz zieht. Schnulz. Ich liebe euch.

Der Himmel ist schwarz, unendlich schwarz und trist und schwarz. Es gibt keine Sonne, nur schwarz. Meine Haut brennt, wo du mich berührt hast und wo du mich geküsst hast, ist sie schwarz. Unendlich schwarz. Ich wandere umher, ich bin blind vom unendlichen Schwarz. Alles ist schwarz. Der Himmel ist trist und schwarz. Ich irre umher, ich weiß nicht wohin ich gehe und ich weiß nicht, woher ich komme. Die Dunkelheit schluckt alle Geräusche, ich kann deine Schritte nicht mehr hören, ich bin verloren im Schwarz. Mein Kopf tut weh, der Himmel ist schwarz. Ich taste umher und finde nichts, das mich hält, ich falle, ins unendliche Schwarz. Doch etwas hält mich, eine Hand umklammert meine. Der Himmel ist schwarz, aber er bekommt Risse, helle Risse. Meine Blindheit schwindet, mein Kopf tut nicht mehr weh. Ich halte die Hand fest, deine Hand. Langsam wird der Himmel blau und wo du mich berührst, kribbelt meine Haut. Und wo du mich geküsst hast, strahlt sie. Du hältst meine Hand und die Sonne geht auf. Der Himmel ist blau, undendlich blau und schön und blau.

Cally

P.S. Ach ja, ich versprech, dass ich das nächste Mal was weniger dramatisches schreibe.
27.8.10 20:40


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